Besteigung des Kilimanjaro
Da standen wir jetzt – am Kilimanjaro - Airport – Susi, Waldemar und ich. Gisela und Georg sollten morgen über Mombasa nachkommen und unser Kiliteam vervollständigen.
Endlich geht es los, vorbei die lange Zeit der Vorbereitung, vorbei die zahlreichen Termine an denen notwendige Absprachen getroffen wurden, vorbei die vielen Trainingseinheiten, die teilweise bizarre Formen annahmen und sicher von so manchen belächelt wurden. Vorbei......
Endlich kann es losgehen.
Alexander von der Firma Afromaxx, holte uns ab und wir fuhren nach Moshi, eine kleine Stadt am Fuße des Kilimanjaro. Dort übernachteten wir im Rosehome, das sogenannte Afromaxx -Basislager.
Eine erste Ernüchterung stellte sich bei Bezug unserer Zimmer ein. Einfach – ein Begriff der sicherlich dehnbar ist. Ein Doppelbett und ein einfaches offenes Holzregal stellte neben einem kleinen Tisch die einzige Möblierung des Raumes da. Das kleine, etwa abgewohnte Bad hatte sicher auch schon bessere Zeiten gehabt. Das ganze Zimmer, nebst Bad, hätte etwas Farbe gebrauchen können und schon sähe alles etwas freundlicher aus. Vom Platz her kam ich trotz der Enge einigermaßen klar, war ich ja noch alleine,
Petra wird ja erst in einer Woche zur Safari nachkommen. Bei Susi und Waldi war dann doch etwas mehr Organisationstalent
gefragt, damit sie sich nicht ständig auf den Füßen standen. Aber es war einigermaßen sauber, es war spät, ich war müde und für die 2 Nächte würde es ja vorerst gehen. Wir wollten in dem Zimmer ja nicht mehr als schlafen. Sonst war das Gelände des Rosehome recht schön angelegt, viele Pflanzen, ein kleiner Pool, und freundliche Leute. Eine familiäre Atmosphäre.
Noch war uns nicht klar, wie groß und geräumig uns die Zimmer nach unserer Rückkehr vom Berg vorkommen würden.
Nach einer etwas unruhigen Nacht, in der wir feststellen durften, dass man in Moshi sehr tierlieb ist und die zahlreichen Hunde in der Nachbarschaft nachts recht kommunikativ waren, weckte uns der lautsprecherverstärkte Muezzin recht früh.
Das, was sich jetzt für so manche Schlafnase etwas negativ anhört, war aber nicht unbedingt so, hatten wir so doch mehr von unserem ersten Tag in Tansania, der sich dann auch von seiner besten Seite zeigte.
Die Sonne schien, der Himmel wolkenlos und der nahe Kilimanjaro zeigte sich in seiner kompletten Größe. Was für ein erster Blick auf diesen mächtigen Berg. Die Vorfreude, dieses Massiv zu besiegen, stieg noch einmal an. Aber noch war es nicht so weit. Gisela und Georg sollten am frühen Nachmittag ankommen und wir schauten uns erst mal die nähere Umgebung an.
Nach einem guten und üppigen Frühstück ging es dann erst mal ab ins Städtchen. Moshi ist eine typische afrikanische Kleinstadt in der ein buntes Treiben vieler Menschen vorherrscht. Da heute Sonntag war und die strenggläubigen Einheimischen sonntags in die Kirche gehen, soll der Menschenauflauf in der Stadt angeblich noch recht übersichtlich gewesen sein. Na ja, uns hat es gereicht. Viele geschäftige Leute, die ihre Waren recht aufdringlich anboten, wuselten um uns herum. Wir tauschten in einer Wechselstube etwas Geld in die einheimischen Schillinge um und liefen weiter durch die Gassen, machten unsere ersten Fotos und schauten dem Treiben auf den Straßen zu. Da wir nun aber wirklich nicht das fünfte Kilimanjaro T-Shirt, oder den zehnten Safarihut kaufen wollten, flüchteten wir schon nach kurzer Zeit, ein wenig genervt, in eine etwas ruhigere Ecke und stillten unseren Durst in einem netten Straßenlokal.
Wieder im Rosehome angekommen dauerte es dann nicht lange und unsere beiden „über Mombasa Flieger“ Gisela und Georg trafen etwas übernächtigt ein. Die Beiden hatten auf ihren Flug ein großes Durcheinander mitgemacht. Erst sollte ihr Anschlussflug direkt ab Mombasa zum Kilimanjaro führen, dann hieß es der Anschlussflug wäre gecanceled und die beiden hätten erst abends über die tansanische Hafenstadt Dar es Salam fliegen müssen. Dann ging der zuerst stornierte Flug aber doch pünktlich und die beiden wurden ganz exklusiv, als einzige Passagiere im Flieger zum Kilimanjaro geflogen.
Auch Gisela und Georg bezogen jetzt ihr Zimmer und nach einem gemeinsamen, recht leckeren Abendessen im Rosehome und der anschließenden Unterweisung zum Kiliaufstieg (auf neudeutsch Briefing) ging es dann früh in die Betten. Morgen soll ja unser großes Abenteuer beginnen.
Die Nacht war ruhig, die Hunde hielten sich zurück, meine prophylaktisch benutzten Ohrstöpsel taten ihr übriges – ich hatte gut geschlafen – fürs erste die halbe Miete.
Ein wunderschöner Tag begrüßte uns, das Frühstück hielt was es uns tags zuvor versprach und wir warteten auf die Dinge die da kommen würden. Dann kam auch schon Daudi unser Guide, in seinem Schlepptau unser Koch und holte uns ab. Unsere Gepäckrollen, die uns gestern beim Packen noch soviel Schweiß und Organisationstalent abverlangten, wurden verstaut, wir packten unsere Tagesrucksäcke ins Auto und es ging ab zum Marangugate, wo unsere Wandertour beginnen wird. Unterwegs haben wir noch ein paar Fotos vom Kilimanjaro gemacht, der sich völlig frei zeigte, ein paar Lebensmittel wurden auch noch eingekauft, aber dann kamen wir endlich am Ausgangspunkt unserer Tour an. Hier lernten wir auch erstmals die Jungs unseres Helferteams kennen. Weitere Co – Guides, und unsere Porter die die größte Arbeit vor sich hatten, da sie unsere Gepäckrollen den Berg hinauf tragen mussten.
Nachdem sich die Anmeldeformalitäten zeitlich in Grenzen hielten, ging es jetzt endlich auf die Strecke. – Wir sind am Berg – wie lange haben wir diesem Moment entgegengefiebert.
Ein noch recht moderater Wandertag durch den Regenwald erwartete uns. Zwar ging es stetig bergauf, aber der Weg war breit ausgebaut und aufgrund des sehr langsamen Wandertempos war es für keinen von uns ein Problem. Das Wetter war schön, die Sonne schien und die Temperaturen waren sommerlich. Erstes Kleingetier wurde sichtbar, hier überquerte ein Dik Dik den Weg vor uns, da waren Geräusche von Affen zu vernehmen.
Fürs erste war alles recht spannend. Unterbrochen von einer kleinen Mittagspause, bei der wir unsere Lunchbox killten, kamen wir nach ca. 4 Stunden gut gelaunt an unserem ersten Camp, die Mandara Hütten an.
Die im norwegischen Stil gebauten Hütten hatten jeweils Platz für vier Personen. Na klar wir waren fünf Leute in unserer Gruppe und wer war das fünfte Rad am Wagen? Das kommt davon wenn der eigene Partner schön zuhause auf dem Sofa sitzt und ich hier draußen alleine kämpfen muss!!! Scherz beiseite, Petra hatte ja gute Gründe nicht mitzufahren und erst später nachzukommen und so schlimm war es ja nun auch nicht, musste ich meine Hütte dann halt mit einer jungen Schwedin und einer attraktiven Amerikanerin teilen. Da eine weitere Person unserer multikulturellen Hütte nicht zugeteilt wurde, hatten wir auch noch etwas mehr Platz für unsere Sachen und konnten uns etwas breiter machen, als meine vier auf eine Hütte zusammengelegten Freunde.
Vor dem Abendessen machten wir dann noch einen kleinen Spaziergang zum Maundikrater der ca. 100 Meter höher lag, ganz nach dem vielfach ausgegebenen Motto „go high sleep low“
Das in einer großen Gemeinschaftshütte stattfindende gemeinsame Abendessen war dann eine gelungene Sache. Erstaunlich was man da am Berg so alles zu essen bekommt. Unter Berücksichtigung der Umstände unter denen Koch und Helfer da zu arbeiten haben, war das Essen richtig gut und auch von der Menge her mehr als ausreichend.
Nach dem sich unsere Mägen gefüllt hatten, ging es dann schnell ins Bett. Es gibt nicht viel zu erleben auf den Hütten, es wird schnell dunkel und irgendwie war da aber auch gar nichts los. Meine beiden Pärchen haben sich schnell in ihre Hütte verzogen und meine beiden Hüttengenossinnen schliefen bereits in ihren Schlafsäcken. Na ja, nicht mal 21:00 Uhr und schon war der Tag vorbei. Leg ich mich halt auch hin, mit den beiden Damen wäre eine Unterhaltung eh schwierig gewesen, da mein Englisch nicht so berühmt ist. Ich bin zwar immer bemüht und auch nicht auf dem Mund gefallen, komme eigentlich auch immer gut zurecht wenn es irgendwas zu klären gibt, aber für eine niveauvolle Konversation würde es nicht reichen.
Irgendwie hatte mein Englischlehrer in der Schule damals wohl versagt.
Ich hatte schlecht bis gar nicht geschlafen, keine Ahnung woran es lag. Die Höhe? - Das ungewohnte Bett? – Der Schlafsack? Ich weiß es nicht, ich fühle mich wie gerädert und bin froh, dass die Nacht vorbei ist. Die Toilette - meine Güte, da soll ich drauf? Das ist nichts für so ein verwöhntes Bürschchen wie mich. Zum Glück war ich an diesem Morgen darmmäßig verschlossen.
Noch war mir nicht klar, dass es sich hier noch um eine der besseren Toiletten handelte. Ein Schüsselchen Wasser, welches ich mir auch noch mit der Amerikanerin teilte, musste für die Morgenhygiene reichen und dann ging es ab zum Frühstück.
Das Frühstück war gut, mitten in der Einöde stehen ein paar Hütten und der Koch muss mit den einfachsten Mitteln etwas Essbares zaubern. Aber es gab frisch gerösteten Toast, Rühreier und was man noch so zum Frühstück braucht. Unter den Umständen richtig Klasse
Eine Nummer für sich ist das Porrige, keine Ahnung ob ich das so richtig schreibe. Eine eigenartig schmeckende, dickflüssige Masse, die sich die Träger morgens immer geben um genug Kraft für den Tag zu haben. Ein Jeder von uns musste es natürlich probieren.
Ich sag es gleich, es schmeckte nicht, auch wenn es einige von uns, darunter auch ich, anfangs nicht zugeben wollten. Aber am 3. Tag haben wir es dann einvernehmlich abbestellt.
So, Wanderung zweiter Tag beginnt. Es geht von ca. 2700 Meter zu den Horombohütten auf etwa 3700 Höhenmeter. Ein landschaftlich sehr schöner Abschnitt unserer Tour. Die Bäume des Regenwaldes sind einer Heide- und Moorlandschaft gewichen. Die Aussicht ist teilweise atemberaubend schön. Das schöne und klare Wetter ließ immer wieder den Blick auf den vor uns liegenden Kibo und seinem Nebengipfel dem Mawenzi zu.
Berauschend schön, einen Ausblick der nicht jedem Kilistürmer vergönnt sein wird, da die oft unbeständige Wetterlage am Kilimanjaro eine solche Sicht nicht immer zulässt. Aber so ist das halt, wenn Engel reisen.
Nach ca. sechs Stunden gemütlichen Wanderns, kamen wir dann an den Horombohütten an.
Hier bezogen wir dann eine etwas größere Sechsbetthütte, die dann aufgrund ihrer Größe und des einen leeren Bettes für uns ausreichend Platz bot. Hier werden wir jetzt zwei Nächte verbringen, weil morgen ist „Feiertag“, wie Daudi uns immer wieder mitteilte.
Morgen geht es nicht weiter, sondern morgen ist unser Akklimatisationstag.
Es steht lediglich eine kleine Wanderung an. Jeder kann sich seinen Tag so gestalten wie er möchte. Der Tag dient dazu die Höhe besser zu verkraften und nach einer kleinen Aufstiegswanderung wieder abzusteigen um noch eine Nacht in der noch „geringen“ Höhe von 3700 Metern zu verbringen.
Die Höhe wirkt auf die Menschen sehr unterschiedlich, die Einen merken bis zum Schluss nichts davon, andere haben hier auf der Horombo schon die größten Probleme. Das ist ähnlich
wie mit der Seekrankheit, die einen, wie auch ich, brauchen ein Schiff nur zu sehen um im Gesicht grün zu werden, andere fühlen sich auf Wasser erst richtig wohl.
Leider ist auch unser Team von der Höhenproblematik nicht verschont geblieben. Hier wo einige bereits über leichte Kopfschmerzen klagten, bekam Susi richtige Probleme mit der Höhe. Sie fühlte sich richtig krank, ihr war Übel und musste sich übergeben. Auch der Akklimatisationstag brachte ihr nicht wirklich was. Tapfer wanderte sie an diesem Tag noch mit, um letztendlich dann aber doch aufgeben zu müssen.
Man, was tat uns das leid, war Susi doch hochmotiviert gestartet, befand sich in bester Kondition und dann so etwas. Das sind dann so Situationen, die einen an den Sinn einer solchen Unternehmung zweifeln lassen.
Schwerenherzens ging es dann am nächsten Tag, ohne Susi, weiter. Die Kibohütte in 4700m Höhe war unser Ziel. Es ging durch eine traumhaft schöne Gegend. Zum Einstieg ein recht heftiger Anstieg über eine Wegstrecke deren Beschaffenheit jetzt lange nicht mehr so gut war, wie an den ersten Tagen. Nach einiger Zeit kamen wir dann am „Last Water Point“ vorbei, bevor es dann in die endlos lange Kibowüste ging. Hier verbindet sich der Kibosattel mit dem Mawenzisattel zu einer endlosen, trostlosen, aber ebenso reizvollen Gegend. Endlos erscheint der Weg in Richtung Kibogipfel. Schön anzusehen wie sich da weit hinten, links und rechts des Weges, der Kibo – und der Mawenzigipfel aus dieser riesigen Mondlandschaft erheben. Atemberaubend nicht nur die Höhe, sondern auch das Panorama, das sich uns zu Füßen legt. Zahlreiche Fotos werden auf dieser Etappe gemacht.
Aber jeder Weg hat mal ein Ende und so kommen wir dann am Nachmittag an der Kibohütte an.
Ein kalter, unsympathischer Steinbau der mehrere Schlafräume a.12 Betten enthält.
Hier wurden wir vier mit anderen Personen verschiedener Nationen in einem Raum untergebracht.
Mit dabei war ein Portugiese, der alles anders machte wie gewohnt. Im Gegensatz zum normalen Nachtaufstieg blieb er liegen und versuchte sein Glück dann tagsüber in der Sonne.
Statt in einem warmen, hier oben mehr als notwendigen Schlafsack, schlief er in einer – ich würde mal sagen „Rettungsdecke“, wie man sie aus den Erste Hilfe Kästen kennt. Na ja, der war wohl hammerhart der Bursche.
Als weitere Zimmergenossin war meine Schwedin, die wir von unserer ersten Nacht schon kannten, bei uns im Zimmer. Und dann war da noch Mama Senegal. Eine zwar sympathische, aber ebenso laute Frau aus dem westafrikanischen Land, wo immer die berühmte Wüstenralley Paris-Dakar endet. Mit dieser sehr extrovertierten, recht eigenartigen Frau hatten wir an dem Abend eine Menge Spaß, wusste sie doch viel zu erzählen und sie lud uns alle zu sich nachhause in das schöne Senegal ein. Es war schon immer ihr Wunsch, einmal auf dem höchsten Berg ihres Kontinents zu stehen, um Allah näher zu sein.
Ein anderes Thema waren die Toiletten. Schon von weiten konnte der Geruch die Örtlichkeiten nicht verheimlichen. Diese Stehklos stellten alles bisher da gewesene in den Schatten. Mehr möchte ich hier dazu nicht schreiben, das sollte man erlebt haben.
Die Nachtruhe begann dann schon direkt nach dem Abendessen. Viel Zeit für Schlaf blieb nicht, da bereits um 23:30 Uhr Wecken war. Saukalt war es und ich pellte mich aus dem Schlafsack und zog mir meine vorher zurechtgelegten Sachen an. Nach dem Zwiebelprinzip hatte ich fünf Schichten am Oberkörper angezogen. Ein bisschen erinnerte ich an einen Teddybären, aber die anderen sahen nicht anders aus. Gisela schimpfte, sie kriegt ihre Sachen gar nicht zugezogen und käme so dick nie auf den Berg. Außerdem würden ihre mehreren Lagen Handschuhe, jedes für die zahlreichen Reißverschlüsse notwendige Fingerspitzengefühl, vermissen lassen. – Probleme hat die Frau ☺
Dann konnte es aber auch endlich losgehen. Daudi und seine zwei Co – Guides Daniel und August begleiteten uns vier in die Nacht hinaus. Es ging auch direkt steil nach oben. Wie eine kleine Prozession zogen wir im sehr langsamen Tempo Meter für Meter nach oben. Gisela benötigte immer wieder nach einigen Schritten eine kleine Pause, so dass unser Tempo immer langsamer wurde und Daudi uns vorschlug doch in zwei Gruppen weiter zugehen.
Nachdem wir zuerst noch gemeinsam auf dem Weg geblieben sind, haben wir uns dann später doch aufgeteilt.
Waldi und ich gingen voran, Co – Guide Daniel begleitete uns beide und schlug auch sofort ein deutlich schnelleres Tempo ein. Gisela und Georg blieben zurück und kämpften sich auf bewährt langsamer Art weiter den Berg rauf. Der Anstieg blieb steil und nach einiger Zeit kamen wir an der nach dem Erstbesteiger des Kilimanjaros benannten Höhle, der Hans Meier Höhle an. 5200 Höhenmeter sind geschafft. Kurze Pause – Teepause – die sich als Flop erwies. Ich habe es am Abend vorher mit der Dimensionierung des Tees anscheinend so gut gemeint,
dass das Gebräu ungenießbar war. Sofort drehte sich mein Magen und der Tee ergoss sich über die umliegenden Felsen. Zwölf Beutel schwarzer Tee auf eine Kanne war wohl etwas zu viel des Guten.
Ab hier wurde der Weg noch steiler. In unendlich vielen Serpentinen ging es immer weiter nach oben, sichtbar war nur das kleine Stück des Weges welches durch unsere Kopflampen erhellt wurde. Immer wieder schlossen wir auf andere Gruppen auf, die wir entweder überholten, oder die sich vor uns auflösten indem die Leute sich links und rechts des Weges auf die Steine setzten um auszuruhen. Nach endloser Zeit kamen wir dann endlich oben am Gillmannspoint an.
Geschafft! Die Gipfelurkunde haben wir schon mal im Sack. Ab hier gilt der Hügel als bestiegen. Aber Typen wie Waldi und ich geben uns doch mit solchen Kindereien nicht ab, ☺ für uns muss es das ganz große Ding sein. – Der Uhuru Peak. – Der höchste Punkt Afrikas, der Gipfel des höchsten allein stehenden Bergs der Welt. Da wollen wir hin! 7
Das bedeutete allerdings noch mal 1,5 Stunden den Kraterrand entlang und noch mal 200 Meter höher. Und das auf einer geschlossenen Schneedecke, die das Gehen nicht unbedingt einfacher machte. Ein weiteres Unikum, seit Jahren hat es auf dem Kilimanjaro nicht mehr so viel geschneit, dass der komplette Kraterbereich eingeschneit wurde.
Die Sonne ging auf und die unwirklich erscheinende Kraterregion wurde so langsam für uns fassbarer. Mittlerweile hat uns auch August, der zweite Co – Guide erreicht. Gisela und Georg haben bei 5100 Meter aufgegeben und sind mit Daudi umgekehrt. Erstaunlicherweise war es nicht Gisela, sondern Georg der einfach nicht mehr weiter konnte.
So langsam machte sich bei Waldi und mir auch der Umstand, dass wir viel zu wenig getrunken hatten, mehr als bemerkbar. Eigentlich ein böser Anfängerfehler, der so sportbegeisterten Jungs wie uns natürlich nicht hätte passieren dürfen. Anfangs hatten wir aufgrund der Kälte keinen Durst. Als uns bewusst wurde, dass wir mehr trinken müssen, waren unsere Wasserflaschen eingefroren. Das darin enthaltene gekranschte Eis ließ keine großen Schlucke und damit keine ausreichende Flüssigkeitsversorgung mehr zu.
Unsere Beine wissen wovon ich hier schreibe, auf jeden Fall wurde der Aufstieg zum Uhuru Peak zu einer echten Tortour. Und das Wissen darum auch wieder zurück zu müssen, tat ein Übriges.
Aber dann kam dann doch der große Moment. Waldi und ich standen am Uhuru Peak. Für uns der gefühlte höchste Punkt der Welt.
Geschafft!!!!!!!!!!!!! 5895 Meter über dem Meeresspiegel stehen wir, mitten in Afrika, ganz oben.
Viel Zeit um da oben unseren Erfolg zu genießen, hatten wir allerdings nicht. Erstens war es kalt und zweitens waren wir zu sehr erschöpft.
Selbst das fotografieren unserer Gipfelbilder und der atemberaubenden Aussicht kostet uns einiges an Energie und wir müssen auch wieder zurück - wir müssen selber, aus eigener Kraft, wieder zurück.
Den Abstieg möchte ich jetzt kurz machen, die Sonne wärmte jetzt deutlich, die Beine waren schwer. Ich rutschte auf den Schotterwegen immer wieder aus und war froh, dass meine Hose so dick war und mein Hintern dadurch etwas abgepolstert wurde. Unser Wasserdefizit wurde immer deutlicher und nach gefühlten endlosen Stunden kamen wir dann, unter stützender Mithilfe unserer Guides, auch wieder an der Kibohütte an. An dieser Stelle noch mal ein herzliches „Ahsante sana“ an Daniel und August.
Hier wurden wir von Daudi mit einem extrem süßen Fruchtsaftgetränk empfangen. Wie Verdurstende hauten wir uns diesen Saft rein, der auch umgehend seine Wirkung zeigte und es ging uns schon kurze Zeit später deutlich besser.
Gisela und Georg trafen wir dann in der Hütte. Sie berichteten kurz von ihren Erlebnissen in der Nacht und verabschiedeten sich schon bald in Richtung Horombohütte um nach Susi, die wir vor gut einem Tag verlassen hatten, zu schauen.
Susi – ja ist das wirklich erst ein Tag her das wir uns von ihr verabschieden mussten? Nachdem, was alles dazwischen lag, hätten das auch mehrere Tage gewesen sein können. So kam es mir zumindest vor.
Aber für uns drängt die Zeit schon wieder, auch wir müssen heute noch zur Horombohütte zurück. Ein wenig essen, noch mal viel trinken, die Klamotten packen und ca. eine Stunde später ging es wieder hinaus in die endlose Kibowüste.
Aber alles erscheint jetzt irgendwie entspannter, es geht gemächlich Bergab, wir haben es geschafft, ein schönes Gefühl, der Blick in die Gesichter der uns entgegenkommenden Wanderer verriet die Anspannung und Unsicherheit, die gestern sicher auch bei uns offensichtlich war. Ein kurzer Gruß „Good Luck“, den nach oben gerichteten Daumen gezeigt und weiter ging es. Schließlich erreichten wir auch bald unser heutiges Ziel die Horombohütten.
Susi, der es bereits deutlich besser ging, ist uns entgegen gekommen und gemeinsam meisterten wir dann auch die letzten Meter bis zu unserer Hütte.
Hier hatten wir mittlerweile Zuwachs bekommen, auch das sechste Bett war jetzt belegt. Ihr dürft mal raten wer? Richtig - meine Schwedin. Auch sie hatte ihr Erfolgserlebnis gehabt, wenn auch nicht bis zum Uhuru Peak, hatte sie es immerhin bis zum Gillmannspoint geschafft.
Tags darauf ging es dann gemeinsam wieder bis zum Gate, der Ausgangspunkt an dem vor sechs Tagen alles begann.
Hier wurden die schwerverdienten Urkunden an Waldi und an mich übergeben und die Begleitmannschaft sang traditionell das Kilimanjarolied.
Das übliche, recht hohe, aber wohlverdiente Trinkgeld, welches wir selbst in dieser Größenordnung von Herzen gegeben haben, wurde überreicht und der erste Teil unseres Tansaniaabenteuers endet.
-> Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Gresens











