Finnland - Salmisaari
SALMISAARI (zu deutsch: "Insel an der engen Stelle") ist auf keiner Landkarte verzeichnet. Dafür ist sie viel zu klein. Es sind nämlich kaum mehr als 5.000 qm, die sich da im Südosten Finnlands aus dem Haukivesi-See erheben.Satt grün bewachsen natürlich, wie es sich für diese Region gehört. Wir sind in der Nähe des kleinen Städtchens Rantasalmi (in dem man alles Notwendige zum Leben bekommen kann), irgendwo zwischen Mikkeli und Savonlinna.
Das Inselchen ist weder rund noch viereckig; am ehesten ist es eine Mischung aus beidem. Mit markanten, glatten Felssteinen am Ufer - auf denen man liegen und sich sonnen kann - etwas Schilf zwischendurch und einem Minisandstrand dicht am "Hafen", der eigentlich nur aus einem Bootssteg mit einer kleinen Plattform besteht.
Hier in dieser winzigen Bucht sind jetzt, Anfang Juli, sowohl das Ruderboot, das zur Insel gehört, als auch unser gelbes Schlauchboot vertäut. Für 4 Wochen haben wir Salmisaari gemietet, mit seinem Blockhaus, der Saunahütte daneben, und dem Klohäuschen etwas abseits.
Wenn man mit dem Boot langsam die Uferregion entlang rudert, sieht man unter den glitzernden Wellen dicke Myriephyllum-Büsche und Wasserpest. Obenauf schwimmen rundliche, gelb blühende Riesendotterblumen mit ihren großen dunkelgrünen Blättern, die denen der Seerosen recht ähnlich sind. das Wasser ist sehr weich, ein bißchen moorig vielleicht, und braunlich. Aber dennoch klar, sodaß man den Seegrund bis in die Tiefe von etwa 1 m erkennen kann. Jetzt im Juli beträgt die Wassertemperatur um die 20°C.
Etwas nördlich vom Mittelpunkt der Insel erhebt sich der SONNENFELSEN; ein etwa 12 m hoher Gipfel mit einem kleinen Plateau. Dort finden sich einige Baumklötze, auf denen man herrlich sitzen und einen Rundblick weit über den See und die benachbarten Inseln genießen kann. Besonders stimmungsvoll ist es in der Abendsonne.
Die beherrschenden BÄUME auf der Insel sind Kiefern. Langsam wachsende, hohe, sehr alte Bäume, wie man sagt, da sie ganz enge Jahresringe haben. Dadurch wirkt das winzige Eiland licht und hell, anders als die unmittelbar benachbarten Inseln übrigens, auf denen vorwiegend Fichten mit dichtem Unterholz (höherer Bodenfeuchtigkeit, mehr Mücken!) wachsen. Es ist interessant, wie hier jede Insel ihren eigenen ganz individuellen und typischen Charakter hat. Nicht nur von der Form her, auch vom Bewuchs, vom Boden, von der Ufergestalt und natürlich der jeweiligen Lage zur Nachbarschaft.
Dann sind da natürlich auch Birken, sehr große zumeist, aber auch einige kleinere und Pappeln. Besonders typisch sind die Wacholderbäume und -büsche, insgesamt vielleicht 15 wirklich stattliche Exemplare. Alle allerdings ein bißchen zerzaust und gelegentlich vertrocknet, denn die Erdschicht über den Felsen ist nicht sehr dick. Am Boden haben sich auf größeren Flächen Heidelbeersträucher und einige Preiselbeer-büsche ausgebreitet. Wir werden im Spätsommer reichlich ernten können! Und über den Felsen Moose und Flechten in vielfachen Farben und Sorten.
Fast hätte ich es vergessen: von den TIEREN auf der Insel war noch nicht die Rede! Da sind zunächst die Vögel: freche Bach-(oder See?)stelzen, weitere kleine Vögel, mal ein Specht und dann natürlich Wasservögel wie Möwen, Enten und Haubentaucher, die ihre Jungen ausführen. Schließlich gibt es natürlich noch ein paar Insekten, fliegende und krabbelnde, gelegentlich stechende. Wahrscheinlich leben auf der Insel keine Mäuse oder Ratten, möglicherweise aber ein Fischotter. Wenn man sehr viel Glück hat, bekommt man die seltene Saimaa-Robbe zu sehen, sozusagen ein Fossil aus der Eiszeit, das hier im Haukivesisee überlebt hat und heimisch geworden ist. Ja, und Fische gibt es natürlich in Mengen. Man muß sie nur aus dem Wasser ziehen. Die Genehmigung zum Fischen (per Angel, Netz oder Reuse) bekommt man als Insel- und Hausbesitzer problemlos. Wobei es übrigens einen 50 m breiten Hoheitsstreifen um die Insel gibt, der für andere tabu ist.
Nähert man sich der Insel mit dem Boot, etwa, wenn man sein Auto auf dem "Festland" zurückläßt und einige Minuten zu rudern hat, wird zwischen den Bäumen ein etwa 20 m vom Ufer zurückgesetztes gewaltiges BLOCKHAUS erkennbar.
Die dunklen Balken der Wände mögen etwa 30 cm im Durchmesser messen. Man steigt einige breite Stufen hinauf und steht nun auf der geräumigen Terrasse unter dem weit darüber hinaus ragenden Dach. Unter der Terrasse und dem Haus findet sich eine Art Abstellraum, durch ein blaues Holzgitter luftig von der Umgebung abgetrennt. Hier ist Kaminholz aufgeschichtet.
Im Inneren überrascht die gleichermaßen behagliche wie zweckmäßige Einrichtung mit Schlafgelegenheiten, einer Küche, Sitz- und Eßecke, Regalen und Schränken sowie dem zentralen, beherrschenden großen Kamin.
Die SAUNA steht ein paar Schritte entfernt am Hang links neben dem Haupthaus. Sie bietet ausreichend Platz, hat einen großen Vorraum und eine kleine überdachte Terrasse.
Weiter abseits auf halbem Wege zum Holzstoß dann das Toilettenhäuschen, ein Plumps-Klo mit Sägespänen statt Wasserspülung, aber gleichzeitig auch eine Sitzgelegenheit mit herrlichem Fernblick. Wenn man die Tür offen läßt, versteht sich. Und das ist problemlos möglich, da ohnedies niemand vorbei kommt und der Klo-Architekt diese Immobilie so ausgerichtet hat, daß sie dem direkten Blick der Hausbewohner entzogen ist.
Nirgendwo kann man sich besser erholen, zur Ruhe kommen, lesen, nachdenken und wieder Kraft schöpfen als hier auf dieser Insel. Man ist völlig allein, allein mit sich, seinem Partner, vielleicht seiner Familie oder den Freunden. Wer das will (und aushalten kann!), wird es hier finden, auf Salmisaari, auf einer der Nachbarinseln oder auch in einer der versteckten und urgemütlichen Ferienhütten unmittelbar am Ufer des Haukivesi in Südostfinnland.
PS: die Insel befindet sich in Privatbesitz, sodaß die Hütte nicht mehr gemietet werden kann. Ähnliche Objekte unter www.porosalmi.net oder www.interchalet.com u.a.








