Wenn man nicht gerade mit der eigenen Yacht auf Gotland vor Anker geht, wird man die Fähre von Oskarshamn nach Visby, der Hauptstadt Gotlands wählen. Die Überfahrt dauert wenige Stunden. Gleich bei der Ankunft stellt sich uns Visby als einzigartig dar. Die Inselhauptstadt ist heute noch von der intakten gewaltigen Stadtmauer aus dem Mittelalter umgeben. Sie ist 3,5 km lang.
Dicht gedrängt stehen in der Stadt kleine Fachwerkhäuser beieinander. Der gewaltige Dom überragt sie alle. Schließlich zählen wir mehr als 10 beein- druckende Kirchenruinen. Dazwischen finden sich malerische Plätze, der botanische Garten, Kunstgewerbe im Adalsgadan, kleine Kneipen überall, besonders auch am Hafen oder in der Nähe der Stara torget, dem großen Markt.
Vielleicht besuchen Sie nach dem Rundgang durch das "Altertümer-Museum Gotlands" (sehr empfehlenswert!) und nach einem Spaziergang über den Donnersplatz ein Café in einer Kirchenruine?
Am Abend findet ein Midnightkonzert in der Ruine der St.Nikolai-Kirche statt: flackerndes Kerzenlicht, lange Gewänder, festliche Stimmung. Über uns sehen wir die Sterne in der fahlen Dämmerung der Mittsommerzeit. Es ist ein Erlebnis, dieses Chorkonzert in den alten Gemäuern mit ihrer scheinbar zeitlosen aber doch so lebendigen Geschichte!
Am folgenden Tag interessieren uns Landschaft und Leute etwas abseits der Hauptstadt. Auf einer guten Straße verlassen wir Visby in nördlicher Richtung zu einer Rundfahrt.
Die Region ist karg: Wacholderbäume, Kiefern und Birken wechseln mit Weideland. Überall Schafherden. An den Straßen Bildsteine. Der Rasen vor den schmucken Häusern ist gemäht und gepflegt, es gibt viele Blumen. Häufig weht auf den Grundstücken eine Fahne im Wind. Die Küsten sind felsig, die Strände meist steinig.
In unserem Führer wird auf die Grotten von Lummelunda verwiesen, auf das größte Wassermühlenrad von Schweden und auf die bizarren Felsen aus riffbildenden Fossilien. An der Bucht von Lickershamn ragt die sagenumwobene Jungfrau mindestens 20 Meter hoch über das Meer. Ein eindrucksvolles Naturdenkmal, diese von Wind und Wetter bizarr ausgewaschene Felssäule aus Muschelkalk.
Mit der nördlich gelegenen Kirche Hall (Wandmalereien!) beginnen wir unsere private touristische Entdeckungsfahrt mittelalterlicher gotischer Kirchen auf der Insel. Sie sind nahezu alle im 12. oder 13. Jahrhundert entstanden.
Jede einzelne ist aber von unverwechselbarer und besonderer Schönheit. So beispielsweise die von Hall oder die herrlichen Portale der Kirche von Lärbro mit dem gewaltigen oktogonalen Hauptturm und einem etwas abseits gelegenen zweiten Wehrturm.
Etwas später sind in Oja das prächtige Triumphkreuz und gut erhaltene Figuren sowie die einzigartigen Wandmalereien im Inneren des Gebäudes zu bestaunen.
Besonders gut erhalten die von vier Toren unterbrochene hohen Schutzmauer der Kirche von Garde.
Das bedeutendste und bekannteste Werk des Baumeisters mit dem Namen Egypticus, nämlich die dreischiffige Kirche von Grötlingbo, begeistert uns durch ausdrucksvolle, hervorragend erhaltene Skulpturen an der Fassade, durch ihre Kanzel und schließlich die Portraits von Luther und Melanchthon.
Auf dem Rückweg von Hohburgen, den südlichen Klippen der Insel, spazieren wir durch ein Fischerdorf aus früheren Zeiten.
Etwas abseits der Straße schauen wir einem Töpfer bei seiner Arbeit zu und erwerben einen Blumenübertopf als Souvenir. Dann wandern wir über bronzezeitliche Grabhügel und finden Totensteine aus noch viel früherer Zeit. Schließlich erkennen wir Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt wenige Kilometer südlich von Visby.
Das milde Klima erlaubt einen erholsamen Besuch auf der Insel schon frühzeitig im Jahr und bis spät in den Herbst hinein. Noch ist Gotland vom Massentourismus verschont, vielleicht ist es deshalb so erholsam und - unter uns! - für einen Besuch absolut empfehlenswert, besonders für Fahrradfahrer.















