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Namibia – April 2005

Wir freuten uns auf unseren Urlaub. Zwei Wochen Namibia. Für Petra und mich war es der erste Afrikaurlaub. Klar wir waren schon in Tunesien und Ägypten und diese Länder schließen den afrikanischen Kontinent nach Norden hin ab. Aber diese nordafrikanischen, arabischen Länder haben so gar nichts zu tun mit dem was man so landläufig unter Afrika versteht.

Gisela und Georg unsere beiden Mitreisenden waren da schon Erfahrener, sie haben in den letzten Jahren bereits zweimal Südafrika bereist.

Über Nacht ging unser Flieger nach Windhoek. Eigentlich nicht schlecht, so hatten wir nach unserer Ankunft, den ganzen Tag für erste Erkundigungen zur Verfügung, da wir dann ja schon früh morgens angekommen sind. Wir verbrachten anfangs in Windhoek lediglich eine Nacht und so blieb nicht viel Zeit, die Stadt zu erkunden.

>> Eigentlich nicht schlecht << na ja, das hier Geschriebene gilt allerdings nur für Menschen die in Flugzeugen auch schlafen können.

Mir ist es selbst mit viel Platz, in einem verhältnismäßig leeren Flugzeug, nicht vergönnt auch nur kurzzeitig in einen schlafähnlichen Zustand zu verfallen. Entsprechend gerädert kam ich in Windhoek an.

Aber dieser Zustand hielt zum Glück nicht lange an, waren doch sofort einige Dinge zu regeln. Nachdem die Passkontrolle abgewickelt war und wir das Gepäck abgeholt hatten, übernahmen wir unser bereits vorbestelltes Auto.

Ein Toyota Rayder – ein großer Allrad- Geländewagen, der uns sofort zusagte. Damit werden wir jetzt 14 Tage in Namibia unterwegs sein. Nachdem die Formalitäten erledigt und das Gepäck verstaut war, ging es dann schnurstracks in Richtung Windhoek.

Da in Namibia Linksverkehr herrscht, habe ich Georg für diese erste Fahrt gerne den Vortritt gelassen. Ich habe mich vorher lediglich mit dem Motorrad im Linksverkehr bewegt und das ist im ersten Moment etwas ganz anderes. Diese Rundreise würde mir schon noch genügend Gelegenheiten bieten, meine Fahrkünste auf der ungewohnten linken Straßenseite unter Beweis zu stellen.

Windhoek liegt ca. 40 Kilometer vom Flughafen entfernt. Eigentlich immer nur gerade aus, eine einzige Straße lang. Na ja, das hätte ich aber auch gekonnt.

Nachdem wir dann in der Stadt unser erstes Übernachtungsziel ein bisschen suchen mussten, kamen wir auch schon bei Maries- Guesthouse an. Eine schöne kleine Anlage mit eigenem Pool. Marie begrüßte uns freundlich und wir fühlten uns gut aufgehoben. Unser Zimmer war schnell bezogen, auspacken lohnte für die eine Nacht ja kaum und es folgte eine erste Erkundungstour durch die Innenstadt der namibischen Hauptmetropole.

Für uns als Großstädter ist die Stadt Windhoek übersichtlich, sie wirkt auf uns eher wie eine Kleinstadt. Das sich dieser Eindruck noch vollkommen ändern wird, wenn wir nach zweiwöchiger Einsamkeit wieder hier hin kommen, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen.

Irgendwie hat man nicht unbedingt das Gefühl in Afrika zu sein. Alles ist aufgeräumt, verhältnismäßig sauber und die Straßen und Geschäfte wirken recht europäisch.

Für nachmittags hatten wir einen Ausflug nach Katutura geplant. Dieser Stadtteil der vom bettelarmen Teil der schwarzen Bevölkerung bewohnt wird, sollte möglichst nicht auf eigene Faust erkundet werden. Zu groß ist die Armut und zu einfach und schwierig die Lebensverhältnisse in diesem Township.

 

Die Lebensumstände der dort wohnenden Menschen verursachen immer wieder Überfälle und andere kriminelle Übertritte an den vermeintlich reichen Touristen.

Deshalb haben wir diesen Ausflug über die Gesellschaft „Face to Face“ direkt vor Ort gebucht. Diese kleine lokale Gesellschaft beschäftigt einheimische Führer aus Katutura. Dadurch haben die Führer einen Job, verdienen eigenes Geld und sind somit bemüht ihren Ort real darzustellen.

In Begleitung der Einheimischen steht dem Besuch Katuturas auch nichts mehr im Wege.

Das, was wir dann zu sehen bekamen, war erschreckend und beeindruckend zu gleich. Die Lebensumstände, in denen diese Menschen leben und zurechtkommen müssen, sind für uns verwöhnte Europäer schwer zu verdauen. In riesigen, bis zum Horizont reichenden Wellblechhüttendörfern leben diese Menschen von der Hand in den Mund, ohne jede soziale Unterstützung, wie es bei uns üblich wäre.

Da es für Petra und mich die erste Begegnung mit einer derartigen Kultur war, waren wir von diesem ersten Tag in Windhoek schon schwer beeindruckt.

Abends gingen wir dann in Joes Bierhaus zum Essen. So richtig afrikanisch, auch wenn das der Name des Lokals so nicht vermuten lässt. Natürlich probierten wir das angebotene Wild. Wir bestellten einen Fleischspieß mit unterschiedlichen Fleischsorten, sodass wir direkt mehrere unterschiedliche Köstlichkeiten Namibias testen konnten. So haben wir dann auch direkt die, von uns für den weiteren Verlauf unserer Reise, favorisierten Gerichte bestimmen können.

Nach unserer ersten Nacht erwartete uns ein schöner sonniger Tag. Heute geht es los, los ins „richtige“ Afrika. Das wilde, weite, einsame Afrika. Wir waren sehr gespannt auf das was uns hier erwartete.

Schnell ging es aus der Stadt heraus und die Gegend veränderte sich schlagartig. Die städtische Enge wich einer landschaftlichen Leere und Ruhe, wie sie wohl nur in Afrika vorkommt. Die gutbefahrbare Schotterstraße, schlängelte sich durch die Weite.

Landschaft so weit das Auge reicht. Eigentlich nicht viel Abwechslung, hier und da mal ein Affe, ein Strauß oder Springbock am Wegesrand, aber sonst war außer dem weiten Land nichts weiter zu sehen. Ich kann mir vorstellen, dass das auf manche Leute auf Dauer langweilig wirken kann, nicht aber für mich, fand ich dieses weite, ungewohnte Land doch auch ohne direkt zu benennende Höhepunkte schon recht spannend.

Interessant waren diese riesigen Vogelnester am Wegesrand, die teilweise ein Volumen von einem Kubikmeter aufwiesen. Wie viele Vögel mögen da wohl dran gebaut und darin eine Behausung gefunden haben?

Die Lodge, in der wir die nächsten beiden Nächte verbringen werden liegt in der Nähe des Ortes Solitaire. Dieser kleine Ort besteht lediglich aus zwei Gebäuden und einer Tankstelle. Trotzdem ist dieses Kaff recht bekannt, da es in fast jedem Reiseführer, wegen des dort in einem kleinen Bäckerladen verkauften Apfelkuchens, für einen Besuch empfohlen wird.

Der Kuchen war wirklich gut – und vor allem groß – man muss nicht extra dafür hierhin fahren, aber Solitäire lag ja auf unserem Weg und somit war es eine willkommene und leckere Abwechslung.

Am späten Nachmittag kamen wir in unserer Lodge an. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, da wir morgen die roten Sanddünen des Soussusvlei sehen werden, die ganz in der Nähe liegen.

In unserer Lodge haben wir es ganz gut angetroffen, ein weit reichendes Gelände umschließt das Anwesen mit seinen Reihenbungalows, die im afrikanischen Stil eingerichtet waren. Die Gemeinschaftsräume, wie der offene Speisebereich und die Selbstbedienungsbar machten einen einladenden Eindruck. Wir hatten an dem Abend noch viel Spaß, hatten wir uns mangels realer Raubtiere in dieser Gegend, mit den leopardenfellähnlichen Decken aus unserem Bungalow selbst zu entsprechenden Fotomotiven verwandelt 

Nachdem es dunkel wurde sahen wir einen Sternenhimmel, den ich so spektakulär vorher und hinterher, bis heute nicht mehr zu sehen bekam. Wahnsinn – die Milchstraße, die in ihrer weißen Strahlkraft und ihrer Fülle tatsächlich ihrem Namen alle Ehre machte. So intensiv kann man so etwas wohl nur im südlichen Afrika beobachten. Schade, dass das mit dem fotografieren nicht so hingehauen hatte, das hätte ich gerne festgehalten. Glaubt einem sonst ja keiner.

Schon ganz früh morgens ging es ab zum Soussusvlei. Bis zum Eingang des Nationalparks waren gut 40 Kilometer zu fahren und bis man dann an den großen Dünen endlich ankommt, sind innerhalb des Parks noch mal knapp 60 Kilometer zu absolvieren. Da die Dünen in den frühen Morgenstunden, bei noch recht tief stehender Sonne, ihr einzigartiges Schattenspiel zeigen, mussten wir bereits weit vor Sonnenaufgang los.

Es hatte sich gelohnt – wirklich gelohnt – Diese rötlich erscheinenden Sanddünen waren das Highlight schlechthin. Eine Traumkulisse die sich vor uns auftat. Ich habe Hunderte von Fotos geschossen. Tief beeindruckt frühstückten wir, oben auf einer Düne, inmitten der sandigen Einsamkeit der Namib- Wüste.

Georg, der an diesem Tag auch noch seinen Geburtstag feierte, fühlte sich geschmeichelt, ob der Tatsache, dass wir ihm zu Ehren, eine solche Kulisse geschaffen hatten 

Wer feiert sonst schon seinen Zweiundfünfzigsten Geburtstag, mit einem zünftigen Frühstück, hoch oben auf dem Kamm einer Hunderte Meter hohen Düne.

Die in diesen Dünen liegenden weißen Lehmsenken (Vleis), die sich trotz anhaltender Dürre, alle paar Jahre in der Regenzeit mit Wasser füllen, machten mit den darin enthaltenen abgestorbenen Bäumen, den Eindruck nicht von dieser Welt zu sein.

Müde vom Wandern auf den Dünenkämmen ging es dann aber auch wieder zurück zu unserem Geländefahrzeug, das sich hier auch auszeichnen durfte. Ein Teil des Wegs ging durch tiefen Sand und ohne Allradantrieb und hohen Rädern wäre hier nichts zu machen gewesen.

Ziemlich schwer zu fahren, aber es macht einen Heiden Spaß mit dem schlingernden Fahrzeug durch den Sand zu pflügen.

Auf dem Rückweg hielten wir dann noch an der berühmten Düne 45. Eine recht hohe Düne, die es dann noch zu besteigen galt. Der Name der Düne rührt daher, dass sie genau am Kilometerpunkt 45 vom Parkeingang des Soussusvlei liegt.

Puh – warm war es – und schwer – und bis ganz nach oben müssen wir ja nicht – oder?

Nein, es muss auch mal reichen, nur bis zur Hälfte aufgestiegen zu sein. 

Zum Abschluss unseres Tagesausflugs besuchten wir noch den Sesriemcanyon, der am Ausgang des Soussusvlei- Parks lag. Dieser kleine Canyon hat seinen Namen daher, weil er die Tiefe von sechs aneinander geknotete Riemen hatte, die die Eingeborenen zum Wasserholen brauchten.

Wieder in unserer Lodge angekommen hatten wir auch noch etwas Zeit um unseren Körpern ein bisschen Ruhe zu gönnen. Der kleine, etwas unsaubere Pool lud, zwar nicht zum Baden, aber doch zum Sonnen ein.

Abendessen, ein paar Bierchen und es ging ab ins Bett, morgen wartet wieder ein voller Tag auf uns.

Am heutigen, unseren vierten Tag in Namibia war unser Ziel die Stadt Swakopmund. In Swakopmund leben sehr viele Deutsche, wie überhaupt in Namibia die Deutschen und vor allem auch die deutsche Sprache sehr gut vertreten sind. Immer wieder stößt man auf Spuren der Kolonialzeit deutscher Vergangenheit. Es ist recht belustigend, wenn man mitten unter Einheimischen, in einem Geschäft von einer farbigen Einwohnerin Namibias „Darf es noch etwas sein?“ gefragt wird.

Aber noch waren wir nicht in Swakopmund. Bis dahin lag noch eine längere Fahrstrecke vor uns, die fast den ganzen Tag einnahm. Aber wie sagt man so schön, „der Weg ist das Ziel“ und das gilt gerade hier in Namibia besonders. Wenn man hier die Augen aufhält gibt es unterwegs viel zu sehen und zu erleben.

Unsere Fahrt führte uns durch die Namib- Wüste, die beileibe nicht eintönig, wie eine Wüste war. Die Gegend änderte sich immer wieder. Es wurde bergiger, dann wieder endlose Steppe, dann ein größerer Canyon, der Kuiseb- Canyon, den wir unbedingt auch durchwandern mussten. Hier hatte ich dann auch mein ganz besonderes Erlebnis. Hinterher konnte auch ich darüber lachen, aber als ich in ein Sumpfloch einbrach und mir nicht klar war wie tief ich hier einsinken würde, fuhr mir der Schrecken schon ziemlich in die Knochen. Wahrscheinlich war es gar nicht sonderlich tief, aber ich ließ mich instinkttief nach vorne fallen und kroch schlammverschmiert wieder auf festem Boden.

Der weitere Weg wurde dann doch etwas eintöniger und ist uns dann recht lang vorgekommen. Schließlich kamen wir, nachdem wir in Walvis- Bay noch eine Kaffeepause, in einem netten Cafe auf einem Steg der ins Meer führte, eingelegt hatten, in Swakopmund an.

Maikes Gästehaus war unser Dominiziel für die nächsten beiden Tage. Schön war es da, Meike, eine Deutsche, die mit ihrem Mann nach Namibia ausgewandert war, ist über andere Stationen in Namibia, hier nach Swakopmund gekommen, weil sie hier die für ihre Kinder notwendige Infrastruktur, wie Schulen, Freunde und europäisch anmutende Lebensgewohnheiten fand.

Maike war uns auf Anhieb sympathisch und es machte viel Spaß ihr zuzuhören, wenn sie am morgendlichen Frühstückstisch über ihr bisheriges Leben in Namibia erzählte.

Ein kleiner Spaziergang durch Swakopmund führte uns an den Strand. Allerdings lud das Meer nicht zum Baden ein, durch die kalten Ströme die knapp vor der Namibischen Küste vorbeilaufen, ist das Wasser saukalt.

 

Tags darauf war unser Ziel Cape Cross, ca. 100 km nördlich von Swakopmund. Hier sind die berühmten Robbenbänke zu bestaunen – und vor allem zu riechen!!! – Schon von weitem roch man sie, ein Gestank der aus einem Gemisch von Fisch und Urin bestand. Im wahrsten Sinne atemberaubend. Der Geruch, oder bleiben wir doch lieber beim Gestank, wurde immer penetranter je mehr wir uns den Robben näherten. Aber es lohnte sich trotzdem. Tausende dieser Tiere lagen da an diesem Küstenstreifen nebeneinander, übereinander, untereinander und ineinander  rum und gaben lautstark ihre Rufe ab. Ein klasse Schauspiel was da geboten wurde, sollen hier an diesem übersichtlichen Küstenstück doch bis zu einhundertfünfzigtausend dieser Tiere leben.

Aber egal wie interessant das Gebotene auch war, länger als eine halbe Stunde waren die Ausdünstungen der Tiere nicht auszuhalten und es ging wieder zurück. Der Geruch verfolgte uns noch lange in unseren Nasen. Irgendwie hielt der sich in unserem Auto und Klamotten noch länger fest.

Unser nächstes Ziel war der Welwitchia- Drive, ein Rundkurs, der uns zu uralten Welwitchia Riesenpflanzen führte. Na ja, diese eher hässlichen, etwas verdörrt aussehenden Gewächse, die so vereinzelt in der Gegend wuchsen, waren jetzt nicht unbedingt der Bringer. In erster Linie beziehen diese Pflanzen ihren Status dadurch, dass sie sehr alt werden können und über viele Jahre unter diesen Lebensfeindlichen Umständen, in dieser wüstenähnlichen Umgebung ihr Dasein fristen. Die wohl älteste unter ihnen und die war extra mit einem kleinen Zaun geschützt worden, soll ca. 2000 Jahre alt sein. Das ist dann wiederum schon beeindruckend.

Interessant war die so genannte Mondlandschaft durch die unser weiterer Weg führte. Eine Landschaft die uns tatsächlich wie auf dem Mond vorkam. Hier sind wir dann auch ein Stück hineingewandert. Eine beeindruckende, bizarre Gegend. Allein deshalb lohnt dieser Rundweg schon auch wenn er im Anschluss an den Robbenbesuch den Tag etwas voll und anstrengend werden ließ. Aber so ist das halt, 14 Tage in Namibia sind nicht viel, auch eine weitere Nacht in Swakopmund wäre durchaus angebracht, wir haben für die Stadt selber mit ihrer deutschen Vergangenheit und den vielen interessanten Gebäuden aus der deutschen Kolonialzeit, nicht mehr genügend Zeit gehabt. Schade, aber man kann halt nicht alles haben. Namibia ist groß und um auch den von uns nicht besuchten Süden Namibias kennen zulernen werden wir bestimmt noch einmal wieder kommen und dann bleibt eventuell auch für Swakopmund etwas mehr Zeit. Verdient hätte dieses Städtchen es allemal.

Aber so ging unsere Reise am nächsten Tag weiter in Richtung Usakos, zur Ameib- Ranch.

Ein schönes, weitläufiges Areal das einiges zu bieten hatte. Auf dem Ameib- Gelände liegt die Bulls- Party. Riesige, fast runde Felsen liegen da etwas unmotiviert in der Gegend herum. Irgendwie unerklärlich wie sie da hingekommen sind und wie diese Felsen diese fast ballförmige Form bekommen haben. Lustig erscheinen unsere Fotos, bei denen wir uns unter diese Kugeln stellten und es aussah als wenn wir die Felsen auf unseren Rücken trugen. Interessant war auch die große Felsformation, die wie ein riesiger in der Sonne stehender Elefant aussah.

Auch hier auf der Ameib- Ranch hätten wir gerne einen zusätzlichen Tag verbracht, luden diese ungewöhnlichen Felsformationen und die weitläufige schöne Landschaft zu ausgiebigen Wanderungen ein. Zumal hier auch durchaus Tiere zu beobachten waren. Vereinzelte Antilopen und selbst Giraffen, wenn auch ziemlich weit weg, waren schon recht interessant. Immerhin waren es die ersten Giraffen, die wir hier in Namibia zu sehen bekamen. Aber hier war unser Aufenthalt, aufgrund des uns zur Verfügung stehendem Gesamtzeitrahmens auf einen Tag und eine Nacht in den durchaus netten Häuschen in der Anlage begrenzt. Ja 14 Tage sind nicht viel, das merkten wir auch später, an weiteren Stationen unserer Reise, immer wieder.

 

Weiter ging es. Der Ort Korixas mit der Iguwati- Lodge war das Ziel. Der Ort Korixas hatte nicht viel zu bieten, die Iguwati- Lodge war mit ihren typisch afrikanisch eingerichteten zwei - geschossigen Zimmern zwar ganz nett, aber diese Lodge war quasi nur als Zwischenübernachtung für die Ziele Twyfelfontein und dem Etosha Nationalpark gedacht.

In Twyfelfontein, - was für ein Name? - konnte man mehrere Tausende Jahre alte Felsgravuren von Buschmännern besichtigen. Wir heuerten einen Guide, in unserem Falle eine Guidin  an, die uns zu den in den Bergen, teilweise etwas versteckt liegenden Gesteinstafeln, mit den etwas naiv anmutenden Ritzereien, führte.

Da waren allerlei Tiere in die roten Gesteinstafeln geritzt. Dafür, dass die schon so alt sein sollten, im Vergleich hierzu sind die ägyptischen Pyramiden von Gizeh nahezu neuzeitlich, machten diese Gravuren einen eher unspektakulären Eindruck. Sahen ein bisschen nach Kinderkritzeleien aus. Naiv gezeichnete Giraffen, Elefanten, usw. Ganz nett, aber in erster Linie lohnt der Weg hierhin wohl eher wegen der atemberaubenden Landschaft durch die wir hierhin fuhren.

Ein bisschen machte uns Georg sorgen. Georg bekam Zahnschmerzen und das ist hier so mitten im Nichts nicht so ganz einfach. Mal eben zum Zahnarzt war hier nicht möglich. Wir hatten versucht einen entsprechenden Arzt ausfindig zu machen, in unserem Zimmer lag ein Telefonbuch, aber die nächsten Ärzte waren locker 300 Kilometer entfernt. So musste der arme Kerl halt mit ein paar Scherztabletten auskommen, die aber nicht so richtig halfen.

Auf dem Weg zum Etosha- Nationalpark kamen wir dann an einer Apotheke vorbei und wir konnten ein Antibiotikum kaufen, das dann auch half die Entzündung abklingen zu lassen.

Wir kamen in Etosha an. Da man landläufig das Urlaubsziel Afrika mit Tierbeobachtungen assoziiert, ist der Etosha- Park sicherlich das Hauptziel unserer Reise.

Der Etosha Nationalpark ist ein abgegrenztes etwa 22.000qm großes Areal aus dem es für die dort lebenden Tiere kein Entrinnen gibt. Spötter könnten jetzt natürlich behaupten, das wäre nichts anderes als ein riesiger Zoo, aber in welchem Zoo leben die Tiere frei nebeneinander, miteinander und vor allem im Falle des „Fressen und gefressen werden“ auch gegeneinander.

Selbst unachtsame Menschen sind hier schon zu Schaden gekommen oder mussten sogar ihr Leben lassen.

Auch die Größe von 22.000 qm spricht da eine ganz deutliche Sprache. Etosha mit der darin enthaltenen, riesigen Salzpfanne war ein Erlebnis.

Am frühen Nachmittag kamen wir am Tor zum Park an. Die Formalitäten waren schnell erledigt, das Permit für unsere nächsten vier Tage haben wir bezahlt und es ging etwa 10 km bis zu unserer Unterkunft, das Okaukuejo Rest Camp. Hier bezogen wir einen als Luxusbungalow ausgeschriebenen Steinbau in bester Lage zum nachts beleuchteten Wasserloch. Die Nähe zu dieser Attraktion war dann aber auch alles was den Namen Luxus verdient hatte. Die einfach und spärlich ausgestatteten Hütten machten nicht den besten Eindruck. Bisher hatten wir hier in Namibia deutlich besser und schöner gewohnt. Aber was soll es, darauf kommt es bei einer solchen Rundreise nicht an. Eine Alternative hätte es eh nicht gegeben, da es innerhalb des Parks nur 3 staatliche Camps gibt, die halt nun so sind wie sie sind – Punkt.

Klar, außerhalb des Etosha- Parks gibt es reichlich sehr luxuriöse Lodges, preislich sind da dem verwöhnten Reisenden keinerlei Grenzen gesetzt, aber das Wichtigste, die abendlichen Beobachtungen an den Wasserlöchern bleiben dann verwert, da um 18:00 Uhr der Park geschlossen wird.

Unsere erste Ausfahrt im Park, hier beginnt eigentlich erst die Safari, alles was vorher war konnte man sicherlich trotz der ein oder anderen gesehenen Gazelle nicht als solche bezeichnen, haben wir dann direkt noch am selben Nachmittag unternommen.

Viele Zebras, ein paar Gnus, mehrere Antilopen begleiteten uns des Weges. Das war schon recht interessant. Aber wir wollten Giraffen und Elefanten sehen! Wo waren die? Laut Reiseführer sollen hier im Etosha 27.000 Giraffen leben. Hier war keine, von Elefanten oder gar Raubtieren ganz zu schweigen. Nun ja, wir wollen nicht undankbar sein, fürs erste waren die vielen Zebras und anderes Getier auch recht interessant. Die Zebras waren überall, vor uns - neben uns - hinter uns, das hatte schon was. Ein Stückchen weiter sahen wir dann einen Baum der voller Geier war. Auch darunter saßen Geier die auf irgendetwas einpickten. Eine Zeit lang beobachteten wir diese Szenerie recht interessiert. Der An- und Abflug dieser großen Vögel war recht imposant.

Um 18:00 Uhr mussten wir im Camp sein und somit mussten wir wieder zurück. Wir waren zufrieden mit unserem ersten Safaritag. Viele Tier hatten wir gesehen, wenn auch nicht die, die uns am meisten interessierten, aber noch ist ja Zeit, wir hatten noch genug Zeit uns alle Wünsche zu erfüllen.

Abends das beleuchtete Wasserloch war dann wirklich eine Attraktion. Scharenweise kamen Zebras, Gazellen und anderes Getier hierhin um zu trinken. In Sicherheit, hinter einer kleinen Mauer konnten wir das Treiben sehr schön beobachten und uns wurde die Zeit nicht lang. Irgendwie taten mir die Leute in ihren Luxuslodgen außerhalb des Parks leid. Aber wahrscheinlich werden die gar nicht wissen, was sie hier verpassten.

Das Abendessen hier im Park war dann auch nicht so dass was wir nach unseren bisherigen Erfahrungen erwartet hatten. Bisher hätte das Essen in den unterschiedlichen Stationen auch jeden Vergleich mit einer Gourmetküche standhalten können, aber hier hielt sich das etwas spärliche Bluffet an das Niveau der „Rest Camp Luxushütten“ Wie oben schon mal erwähnt, darauf kommt es bei einer Safari auch nicht drauf an und wir sind ja nicht zum Vergnügen hier 

Die Ausfahrt unseres zweiten Tages begann. Wir haben eine gute und ruhige Nacht hinter uns. Wie jeden Tag scheint die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und es ist angenehm warm.

Na gut, das mit der ruhigen Nacht traf vielleicht nicht so ganz auf Georg zu, plagte er sich doch immer noch mit seinem Zahn herum.

Auch diese Fahrt bescherte uns zunächst nur die bereits bekannten Tiere. Zebras, Gnus, Gazellen – Gazellen, Gnus, Zebras. Schön das es hier so viele davon gibt, aber wir wollen Elefanten sehen - E L E F A N T E N!!!

Am Wegesrand machte sich ein Schakal über den Kadaver eines, frisch verstorbenen, Zebras her. Das ist doch schon mal was, eins weniger von denen die uns anscheinend dauernd die Sicht auf die Objekte unserer Begierde versperren 

Dann auf einmal – da ganz hinten am Rande der Lichtung – waren das Giraffen? Ja es waren welche und die Aufregung in unserem Toyota stieg an. Weit weg waren sie ja schon, aber mit einem Fernglas sehr gut zu beobachten. Ein uns entgegenkommendes Fahrzeug mit einem französischen Journalistenpärchen, die im Auftrag einer Zeitschrift bereits seit einem halben Jahr in Afrika unterwegs waren, konnten unsere Aufregung, wegen dieser paar Giraffen einfach nicht verstehen. Später werden wir dann auch noch verstehen warum. 

Weitere uns mittlerweile sehr bekannte Tiere begleiteten unseren Weg, bis wir dann abends wieder im Okaukuejo ankamen.

Der Abend am Wasserloch hatte dann noch eine nette Geschichte parat. Ich saß da und beobachtete den kleinen See. Wie gewohnt stillten einige Tiere ihren Durst und ich brachte in der einbrechenden Dämmerung meinen Fotoapparat in Position. War auf der etwas wackeligen Mauer gar nicht so einfach die Kamera richtig auszurichten. Georg hatte sich bereits hingelegt, ihm machten immer noch seine Zahnschmerzen zu schaffen. Petra und Gisela waren noch mit irgendetwas im Haus beschäftigt und so saß ich jetzt hier alleine und beobachtete das Wasserloch. Plötzlich kam Gisela von hinten an, war aber genauso schnell wieder verschwunden, um wenig später zusammen mit Petra wiederzukommen. Ich war noch immer damit beschäftigt meine Kamera zu positionieren, als ich Gisela meckern hörte „ da sitzt der da und sagt nichts von dem Nashorn“ – Nashorn? – welches Nashorn, entgegnete ich entgeistert. Als ich dann aufschaute, stand ein riesiges Nashorn unübersehbar in seiner ganzen Größe mitten im Wasserloch.

Zwischenzeitlich hatte ich auch schon Fotos von diesem Tier gemacht, ohne es zu wissen.

Hinterher haben wir noch viel gelacht als wir uns ausmalten, wenn ich zuhause meine Bilder anschaue und dann erstmals das Rino auf meinen Bildern entdeckt hätte.

Eine weitere Erinnerung an diesen Abend begleitete mich dann noch auf unsere weitere Reise. Anscheinend sind irgendwelche Insekten über meine Füße hergefallen, keine Ahnung, vielleicht habe ich die in eine Ameisenstraße gehalten? Ich hatte nichts bemerkt.

Was habe ich an diesen Abend eigentlich genommen? 

Auf jeden Fall hatte ich die nächsten Tage meinen Spaß mit den zahlreichen juckenden Pusteln.

Am nächsten Tag ging es weiter, zum Namutoni Restcamp. Dieses Camp liegt am andern Ende, an der Ostseite des Parks. Die Ausstattung war ähnlich wie die Nächte davor, da es sich auch hier um ein staatliches Camp handelte. Interessant war die als Festung angelegte Gestaltung des Camps.

Schon auf dem Weg dahin wurden wir für unsere Geduld belohnt, – Giraffen – nachdem wir die ersten zu sehen bekamen, waren sie überall. Kein Wunder, dass das französische Journalistenpärchen ein wenig ungläubig geschaut hatte, als wir wegen dieser paar Exemplare so einen Zwergenaufstand gemacht hatten.

Es war schön diese eleganten Tiere zu beobachten. Eine Giraffe, die genau vor uns den Weg überquerte, konnte ich sehr schön mit der Videofunktion meines Fotoapparates festhalten. Lustig wie Giraffen Wasser trinken, trotz des langen Halses sind die Vorderbeine seltsam gespreizt. Das sieht fast ein bisschen tollpatschig aus und passt eigentlich nicht so recht zu den sonst so geschmeidigen Bewegungsabläufen dieser Tiere.

Im Namutoni angekommen richteten wir uns erst mal in unserem zugeteilten Häuschen ein. Das schön gelegene, natürliche Wasserloch war allerdings bei weitem nicht so ergiebig wie im Okaukuejo. Eigentlich eher langweilig, hierhin verirrten sich an den beiden Abenden, an denen wir das Camp bewohnten, nicht sehr viele Tiere.

Aber dafür hatten es hier die Tage in sich, die nächste Ausfahrt brachte dann auch endlich die Begegnungen mit Elefanten.

 

Zuerst entdeckten wir in den Büschen, noch gut versteckt, die ersten Dickhäuter, danach waren sie greifbar Nahe. Ein Elefant kam uns auf dem Weg fast bis ans Fahrzeug ran. Ein Rüsselverschlungenes Elefantenpärchen konnten wir aus nächster Nähe beobachten und zu guter Letzt verfolgten wir einen großen Jumbo mit unserem Auto, was diesem anscheinend nicht sonderlich gefiel. Immer wieder drehte er sich um, als wenn er uns drohen wollte.

Ein klasse Tag ging zu Ende. Auf dem Weg zum Camp kamen wir dann noch an einer Stelle vorbei, an der zwei große Geier auf dem Kadaver eines Gnus saßen, sich satt aßen und durch nichts stören ließen. .

Da uns das Essen im Restaurant gestern nicht sonderlich zusagte, machte ich an diesem Abend eine große Pfanne Bratkartoffel mit viel Speck und Zwiebeln. Die sind mir, denke ich, ganz gut gelungen. Zumindest ist nichts übrig geblieben. 

Irgendetwas schabte in der Nacht unter unserem Fenster rum. Waren es die Schakale, die hier überall im Camp nach etwas Essbaren suchten? Könnten aber auch andere Tiere, wie die hier zahlreich vertretenen Erdmännchen sein. Na egal, hier im Haus waren wir sicher, zumal unsere Koffer zusätzlich das leicht geöffnete Fenster versperrten.

Am nächsten Tag ging es dann weiter, der Waterberg war unser letztes Ziel auf unserer Reise, bevor wir wieder in Windhoek zurück sein werden.

Der Waterberg war schon von weitem zu sehen. Ein riesiger Tafelberg. Warum ist eigentlich der Tafelberg in Südafrika so berühmt? Der hier ist doch sicherlich mindestens genau so Imposant.

Der Waterberg ist ein markanter Berg der seine Umgebung 200 – 400 Meter überragt. Heute ist auf dem 40.500 ha großen Plateau des Waterbergs ein Nationalpark eingerichtet, auf dem man geführte Wanderungen unternehmen kann. Besonders bekannt wurde der Ort durch die „Schlacht am Waterberg“ am 11. und 12. August 1904 während des Aufstands der Herero und Nama. Ein kleiner alter, deutscher Soldatenfriedhof, der etwas versteckt in der Nähe unseres Camps lag, zeugte hiervon stumm.

Wir haben diesen Berg am nächsten Vormittag bestiegen. Ein etwas beschwerlicher Weg, der durch ein Waldgebiet steil nach oben auf die Plattform führte. Oben angekommen machten wir erst mal Bekanntschaft mit einem dicken Klippschliefer. Dieses Riesenrattenähnliche Tier machte einen Eindruck als wenn es von uns gestört wurde. Entsprechend böse schaute es zu uns hin. Gisela die sofort Respekt vor dieser Riesenmaus bekam, warnte uns davor uns dem Tier weiter zu nähern. Aber ich denke das kleine aufgeblähte Tier hatte mehr Angst als alles andere.

Wenden wir uns lieber der Aussicht zu, die sich uns hier offenbarte. Wie weit kann ein Mensch eigentlich schauen? Ein unglaublicher Weitblick ließ alle Anstrengung des Aufstiegs vergessen. Das unter uns liegende flache Land, zeigte sich uns in einer unendlichen Weite.

Am nächsten Tag hatte Windhoek uns wieder. Am nächsten Tag geht es wieder nach Hause. Einen super Urlaub haben wir verbracht, wir vier hatten uns blendend verstanden und viel Spaß gehabt. Unvergessen unsere Lieder die wir im Auto sangen – sangen? Wohl eher lautstarkes Gegröle wenn bekannte Melodien dem Radio zu entnehmen waren.

In Windhoek gab es dann zum Abschluss noch einen großen Milchshake, jeder bekam ein anders farbiges Getränk und abends ging es dann noch mal zum Bierhaus, es gab einen großen Springbockspieß.

 

Auf Wiedersehen Namibia, oder „tot siens“, wie es auf Afrikans heißt.

Vierzehn schöne Tage in Namibia sind vorbei. Bisher eine unserer eindrücklichsten Reisen.

 

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Geschafft, fast 10 Seiten aus dem Gedächtnis heraus zu schreiben, wenn die Reise bereits zwei Jahre her ist, ist gar nicht so leicht. Aber Petra hatte während unserer Zeit in Namibia Tagebuch geführt und das hatte mich einige male gerettet. Viele Kleinigkeiten vergisst man wieder und gerade die eine oder andere kleine Anekdote macht so einen Urlaub, und das was in unseren Gedanken davon nachher übrig bleibt, mit aus.

Ich möchte hier als Tipp gerne noch anregen, grundsätzlich auf Reisen, ein kleines Tagebuch zu führen, das wird sich später sicherlich als eben so Wichtig erweisen, wie die zahlreichen Fotos die man auf Reisen macht.

-> Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Gresens

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